PKV Beitragserhöhung 2019 – Beitragsanpassung BAP

Die Beitragsanpassung in der PKV, kurz BAP, ist die Anpassung der Prämien an die Kostenentwicklung in einem Tarif. Die Anpassung kann in Form einer Beitragserhöhung oder einer Beitragssenkung erfolgen.

Durch Inflation und steigende Kosten im Gesundheitssystem erfolgt meist eine Erhöhung der Beiträge, die durchschnittlich 3,5 Prozent im Jahr beträgt.

> 2% Durchschnitt Beitragserhöhung PKV 2019

> bis 50% höchste Beitragssteigerung PKV 2019

Dabei ist der private Krankenversicherer an gesetzliche Vorgaben gebunden, die ein Treuhänder überwacht. Aus einer PKV Beitragserhöhung ergeben sich für den Versicherten sowohl Rechte als auch Pflichten.

Jede Beitragssteigerung eröffnet dem privat Versicherten ein Sonderkündigungsrecht. Mit einer Frist von vier Wochen kann eine außerordentliche Kündigung ausgesprochen und ein Tarifwechsel vollzogen werden.


5 Tipps gegen Beitragserhöhung der PKV

  1. Tarifwechsel innerhalb der PKV
  2. Selbstbehalt erhöhen
  3. Leistungen kürzen
  4. Wechsel zurück in GKV
  5. Erhöhung prüfen Widerspruch einlegen
  6. Kündigungsfrist beachten

Tipp 1: Tarifwechsel innerhalb PKV/Anbieter

Die erste Option nach einer Beitragserhöhung ist der Tarifwechsel innerhalb des PKV-Anbieters. Die Vorteile bestehen im kompletten Erhalt der Altersrückstellungen und dem möglichen Kostenvorteil.

Ihr aktueller Privatversicherer darf Ihnen den Wechsel in einen günstigeren Tarif ohne erneute Gesundheitsprüfung nicht verwehren. Die PKV muss Ihnen auf Wunsch Möglichkeiten und Tarife aufzeigen, bei denen Sie nach einer Beitragsanpassung Kosten sparen können.

Mögliche Höhe der Einsparung nach Beitragserhöhung durch Tarifwechsel: bis zu 250 Euro im Monat

Einzige Voraussetzung für den Wechsel in einen günstigeren PKV-Tarif: die Leistungen im neuen Tarif dürfen nicht über denen in der aktuellen Police liegen. Auch ohne Tarifwechsel können Sie unter Umständen Kosten sparen, wenn Sie in Ihrem aktuellen Tarif:

  • die Selbstbeteiligung pro Jahr erhöhen
  • auf Leistungen verzichten die nicht notwendig sind (z.B. Einbettzimmer)

Der Wechsel in einen Tarif eines anderen Anbieters ist die zweite Wahl. Auch bei diesem PKV-Wechsel bleibt die gebildete Altersrückstellung erhalten. Allerdings darf der Krankenversicherer eine Gesundheitsprüfung zur Risikoeinschätzung vornehmen.

Achtung: Bei bestehenden Vorerkrankungen führt das zu höheren Beiträgen oder Leistungsausschlüssen. Ist dem privaten Krankenversicherer das Risiko zu hoch, kann der Vertragsabschluss abgelehnt werden.

Tipp 2: Selbstbeteiligung erhöhen

Wenn Sie bislang keine Selbstbeteiligung in Ihrem PKV-Tarif haben, können Sie damit die Beitragssteigerung reduzieren. Schon ein Selbstbehalt (SB) von 100 bis 200 Euro pro Kalenderjahr kann zu einer monatlichen Ersparnis von bis zu 100 Euro führen. Und so wirkt sich das auf die Gesamtkosten aus:

  • zusätzliche Kosten durch Selbstbeteiligung pro Jahr: 200 Euro
  • Ersparnis im Beitrag pro Jahr (12 x 100): 1200 Euro
  • In der Summe sparen Sie: 1000 Euro pro Jahr / 83 Euro pro Monat

Haben Sie bereits eine hohe Selbstbeteiligung, bleibt der Tarifwechsel innerhalb desselben Anbieters oder der Wechsel in einen Tarif einer anderen PKV mit einem Selbstbehalt. Vor einem Vertragsabschluss bei einem neuen Versicherer sollten Sie die Verträge vergleichen.

Hier erfahren Sie, welche Private Krankenversicherung im Vergleich der Stiftung Warentest am besten abgeschnitten hat.


Tipp 3: Leistungen kürzen

Eine weitere Möglichkeit zum Kosten sparen bietet das Kürzen von Leistungen im PKV-Vertrag. Auf diese Versicherungsleistungen können Sie verzichten, ohne die Behandlung bei Bedarf einzuschränken:

  • Einbettzimmer im Krankenhaus streichen
  • auf freie Arztwahl verzichten (Primärarztprinzip: Sie müssen erst zum Hausarzt, der Sie zum Facharzt überweist)

Das sind auch die Empfehlungen der Verbraucherzentrale. So kann laut Meinung der Verbraucherschützer ohne Vorbehalt auf die Unterbringung im Einzelzimmer verzichtet werden. Die freie Arzt- und Krankenhauswahl ist ein Vorteil der PKV im Vergleich zur GKV. Diese sollte nur im Notfall gestrichen werden.

Tipp: Bevor wesentliche Leistungen der PKV gekürzt werden, sollte nach einer Beitragssteigerung der Wechsel in einen günstigeren Tarif mit gleichwertigen Leistungen geprüft werden. Entweder beim gleichen Privatversicherer oder bei einer anderen PKV.


Tipp 4: Wechsel zurück in GKV

Unter diesen Voraussetzungen ist ein Wechsel von der privaten zurück in die gesetzliche Krankenversicherung möglich:

  • Versicherter ist nicht älter als 55 Jahre
  • Einkommen unterschreitet die Grenze (JAEG 2019: 60.750 €/Jahr oder 5.62,50 €/Monat brutto)
  • Selbstständiger wird Angestellt und Einkommen liegt unter Verdienstgrenze
  • Arbeitslosigkeit: Wer unter 55 Jahre alt ist und sich arbeitssuchend meldet kommt in die GKV
  • Voraussetzung bei Arbeitslosen über 55 Jahre: in den letzten fünf Jahren mindestens ein Tag in der GKV

Wechselwillige sollten beachten, dass es Anpassungen sowohl in den Leistungen als auch in den Beiträgen der gesetzlichen Kassen kommen kann. Während die vertraglich zugesicherten Leistungen der privaten lebenslang garantiert sind, können die gesetzlichen Leistungen kürzen.

Was sind die Vorteile und Nachteile der PKV im Vergleich zur GKV? Erfahren Sie mehr über die Unterschiede:

Experten gehen von zukünftigen Beitragserhöhungen auch in der GKV aus. Bereits heute steigt der Höchstbeitrag jährlich mit der Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze. Die Erhöhung des allgemeinen Beitragssatzes und damit der Kosten für Kassenversicherte ist laut Fachleuten nur eine Frage der zeit.


Tipp 5: Beitragserhöhung prüfen

Die private Krankenversicherung darf nicht willkürlich die Beiträge erhöhen. Jede Beitragsanpassung muss dem Versicherten seitens der PKV begründet werden. Dabei muss die Berechnung der Prämien im Detail offengelegt werden.

Ein unabhängiger Treuhänder muss die Rechtsgrundlage für die Teuerung prüfen und dieser zustimmen.

In diesen Fällen ist eine Beitragssteigerung der PKV unwirksam:

  • unvollständige oder fehlende Begründung für die Beitragsanhebung
  • aus Werbezwecken anfangs offensichtlich zu niedrig kalkulierte Tarife, die später teurer werden
  • fehlende Voraussetzung für eine Kostensteigerung bzw. falsche Berechnung der Kosten

Stellen sich die mehr berechneten Kostenaufschläge als nicht rechtens ( § 155 VAG ) dar, ist die PKV Beitragserhöhung unwirksam. Zu viel gezahlte Beiträge können Sie auch rückwirkend für die letzten drei Jahre (unter Umständen auch für die letzten 10 Jahre) zurückfordern.

Bei folgenden privaten Krankenversicherungen sind Klagen gegen die Beitragsanhebungen anhängig. Die Verhandlungen laufen noch oder die Urteile sind noch nicht rechtskräftig:

  • AXA Krankenversicherung
  • DKV
  • Allianz Krakenverischerung
  • Signal Iduna

In bereits vielen Gerichtsentscheiden wurden Preiserhöhungen der PKV für ungültig erklärt. Diese Fälle zeigen, dass sich die Prüfung der Beitragsanpassungen auf Rechtmäßigkeit lohnen kann.


Kündigung Frist Form

Der Gesetzgeber sichert jedem privat Krankenversicherten ein Sonderkündigungsrecht nach § 205 VVG nach einer Beitragserhöhung zu. Wird Ihnen eine Tariferhöhung Ihrer PKV zugestellt, haben Sie das Recht auf eine außerordentliche Kündigung.

Dabei müssen Sie die Frist von zwei Monaten ab Zustellung der Beitragsanpassung einhalten. Wenn Sie ihre Private Krankenversicherung kündigen möchten, sollten Sie diese fristgerecht und in schriftlicher Form einreichen.

Zusätzlich müssen Sie die neue Krankenversicherung benennen, damit die Kündigung wirksam wird. Da in Deutschland die Krankenversicherungspflicht herrscht, muss eine lückenlose Mitgliedschaft in einer KV nachgewiesen werden.


Wechsel in PKV Basistarif Standardtarif Notlagentarif

PKV Basistarif: Der Basistarif in der privaten Krankenversicherung bietet Leistungen wie die gesetzlichen Krankenkassen und darf maximal den Höchstbeitrag der GKV kosten. Bei nachweislicher Hilfebedürftigkeit nach § 9 Sozialgesetzbuch II fällt nur der halbe Beitrag an.

PKV Beitragsanpassung

Beitragserhöhung PKV: Beitragsentwicklung privat gesetzlich im Vergleich

PKV Standardtarif: Im Standardtarif der privaten Krankenversicherung ist der Beitrag etwas geringer als im Basistarif bei Leistungen wie in den gesetzlichen Kassen. Ein Wechsel in den Standardtarif der PKV ist nur für über 65-Jährige gestattet, die bereits vor 2009 privat versichert waren. Für Versicherten über 55 Jahren ist ein Einkommen unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze Voraussetzung.

PKV Notlagentarif: Der Notlagentarif in der privaten Krankenversicherung ist Kunden vorbehalten, die nicht mehr in der Lage sind ihre Beiträge zu bezahlen. Nach einem erfolglosen Mahnverfahren kann die PKV den Versicherten auch ohne Zustimmung in diesen Tarif wechseln. Hier sind nur die nötigsten akuten Behandlungen inbegriffen.


Aktuelle PKV Beitragserhöhungen 2019

Im Durchschnitt beträgt die PKV Beitragserhöhung in 2019 zwei Prozent. Die größte deutsche Private Krankenversicherung Debeka meldet eine Tariferhöhung von 0,33 Prozent.

Die PAX Familienfürsorge erhöht um 4,5%. Bei der Provinzial Krankenversicherung (in Hannover VGH) steigen die Beiträge um 2,5% und bei der ARAG um rund 2 Prozent.

Tipp: So werden die Kosten in der privaten Krankenversicherung berechnet – und so können Beiträge eingespart werden:


Was auf den ersten Blick auf gute Beitragsstabilität hindeutet, entpuppt sich im Einzelfall als Kostenfalle. Denn viele Gesellschaften teilen extreme Anhebungen der Preise nach oben oder unten nicht mit.

So liegt die PKV Beitragserhöhung 2019 bei einzelnen Tarifen in der Spitze teilweise im zweistelligen Bereich:

  • ARAG bis zu 14%
  • Gothaer über 10%
  • Bayerische Beamtenkrankenkasse (BBK) über 15%
  • Union Krankenversicherung (UKV) über 15%
  • Provinzial (VGH) um bis zu 23%
  • Hallesche einige wenige Tarife im zweistelligen Prozentbereich
  • Signal Iduna einige Tarife betroffen im zweistelligen Prozentbereich

Im Vergleich dazu liegen selbst die Extremwerte folgender PKV-Versicherer deutlich unter der 10-Prozent-Marke:

  • Concordia
  • LVM
  • R+V
  • Continentale

Gründe für Beitragsanpassung

Für Beitragserhöhungen in der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung sind unter anderem folgende Gründe verantwortlich:

  • Medizinischer Fortschritt im Bereich Diagnostik und Therapie treiben die Kosten nach oben
  • steigende Lebenserwartung und demographischer Wandel
  • Bestandsveränderung der Versicherer in den Tarifen (je mehr Bestandskunden desto günstiger die Prämienberechnung)
  • Absenkungen des Rechnungszinses für Versicherer
  • steigende Kosten im Gesundheitswesen
  • Aktuelle Kapitalmarktzinsen: je höher die Zinsen, desto mehr Ertrag für die Gesellschaft und günstigere Beiträge

Einige Herausforderungen sind hausgemacht. PKV-Unternehmen erwirtschaften mit den eingenommenen Beiträgen unterschiedlich hohe Erträge. Je höher die wirtschaftliche Ertragskraft der Krankenversicherung, desto niedriger können die Prämien berechnet werden. Deshalb lohnt ein Vergleich der Anbieter immer.


Private Krankenversicherer mit Beitragsstabilität 2019

Nicht wenige private Versicherer können ihre Beiträge für bestimmte Tarife in 2019 stabil halten oder gar die Preise senken. In einzelnen Tarifen wird gar eine Beitragssenkung oder eine Beitragsgarantie ausgesprochen.

In diesem Fall erhalten die Versicherten von ihrer PKV die Zusicherung, den Beitrag bis zu einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft nicht zu erhöhen. Die Beitragsstabilität der PKV ist ein Bewertungskriterium für Tester und Rating-Agenturen.

Rating-Agenturen analysieren die finanzielle Situation privater Krankenversicherungen und bewerten ihre Bonität. Solide und finanzstarke PKV-Versicherungen können ihre Prämien eher stabil halten als finanzschwächere Unternehmen.

Deshalb lohnt der Vergleich der Anbieter und ihrer Tarife. Auch die Stiftung Warentest hat festgestellt, dass sich selbst bei ähnlichem Leistungsumfang die Preise um bis zu einigen hunderte Euro unterscheiden.

Beitragsentwicklung

Die Beitragsentwicklung in der PKV kann sowohl als Durchschnitt aller privater Versicherer oder aber jedes einzelnen Krankenversicherers gesondert betrachtet werden. Durchschnittlich steigen die Kosten in der privaten Versicherung aller Anbieter um 2 bis 3 Prozent jährlich. Im Einzelfall können extreme Abweichungen in der Teuerung nach oben stattfinden.

Auch in der gesetzlichen Krankenkasse steigen die Beiträge in ähnlicher Höhe wie in der PKV. Im Vergleich zu den privaten, dürfen die gesetzlichen Anbieter jedoch die Leistungen kürzen.

Wer diese wegfallenden Leistungen mit einer privaten Krankenzusatzversicherung auffangen möchte, muss diese privat und auf eigene Kosten finanzieren. Auch ein Leistungswegfall in der GKV entspricht einer Beitragserhöhung.